Belächeltes Genre der Ehrlichkeit

Wenn in den Vereinigten Staaten am 4. Juli die Feuerwerksraketen in den Himmel steigen, dann feiern die Amerikaner nicht nur die Unabhängigkeit von der englischen Krone. Auch der National Country Music Day wird an diesem Tag zelebriert. Zwar wird dieser Musikrichtung hierzulande ein eher zweifelshafter Ruf nachgesagt, doch es kann eines der schönsten und authentischsten Genres überhaupt sein.

Country Music Hall of Fame in Nashville (Foto pxhere)

Warum die Country Musik ein unterschätztes Genre ist, habe ich bei den Kollegen von mephisto 97.6 erklärt:

 

Für die einen ist es das Sliden, für andere hingegen das Picking. Natürlich prägen beide Gitarren-Spielweisen bis heute den Klang von Country Musik. Die meisten werden sich bei den ersten Klängen aber wohl jedes Mal an einen schönen Western-Klassiker mit John Wayne Western erinnern.

Amerikas Hinterland

Die klassischen Fly-Over-States des Mittleren Westens wie z.b. Kansas, Colorada oder Montana spielten für den amerikanischen Aufstieg des letzten Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Noch heute gelten sie als Kornkammer des Landes, werden aber in der öffentlichen Wahrnehmen meist vergessen.

„Wer Amerika wirklich kennenlernen und verstehen will, der sollte nicht nur die großen Metropolen sehen, der muss auch raus aufs Land.“

Das hat bei den Menschen natürlich Spuren hinterlassen, die sich in vielen Countrysongs wiederspiegeln. Wirft man einen Blick in die Veröffentlichungen der letzten Jahre wird deutlich: fast alle großen Namen des Genres haben sich recht intensiv mit dem steten Verfall des Mittleren Westens beschäftigt. Arbeitslosigkeit, Alkohol- sowie Drogenprobleme und Perspektivlosigkeit sind regelmäßig wiederkehrende Motive in der Country Musik.

Ursprung in den Appalachen

Dabei liegt der Ursprung der Country Musik gar nicht im Mittleren Westen, sondern vielmehr in den Appalachen. Das Mittelgebirge trennt die Ostküste vom Landesinneren und war für die Einwanderer aus Europa das erste große Hindernis auf dem Weg gen Westen. Dort entstand mit dem Bluegrass eine der wichtigsten amerikanischen Volksmusikrichtungen, aus der sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die Country Musik entwickelte.

Stilistisches Zweigestirn

Es gab über die folgenden Jahre zahlreiche Entwicklungen und Stilwechsel in der Country Musik. Einige hielten sich über Jahrzehnte, andere ebbten nach nur wenigen Jahren wieder ab. Seit den 1990ern Jahren ist nun etwas Ruhe in den Country gekommen. Das Genre hat sich im Großen und Ganzen in zwei Lager aufgeteilt, die sich jeweils unbeeindruckt voneinander weiterentwickeln – den eher poppigen und massentauglichen New Country und den stilistisch eher traditionellen aber dennoch aufgeschlossenen Alternative Country.

Wo die Reise für beide Genres noch hingehen wird, scheint schon heute offensichtlich. Während sich der New Country auch in Zukunft eher an Verkaufszahlen orientieren wird, können wir aus der anderen Richtung spannende stilistische Crossovers und vor allem authentische Lyrics erwarten, die uns den amerikanischen Alltag auch künftig näher bringen als jedes andere amerikanische Genre.

Doch wie klingt Country Musik nun eigentlich?