Blaupause zum richtigen Streiten

Vor zweieinhalb Jahren noch versuchten Jakob Augstein und Nikolaus Blome die politische Landschaft von links nach rechts zu vermessen. Nun machen sich die beiden Journalisten auf die Suche, was Deutschland im Inneren zusammenhält und was es spaltet.

Jakob Augstein und Nikolaus Blome zu Gast auf dem auf dem roten Sofa. (Foto Hendrik Zimny)

Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern. Es muss vor etwa sechs Jahren gewesen sein, als ich das erste Mal Augstein und Blome auf Phoenix sah. Das damals aktuelle Thema der Woche ist mir zwar leider entfallen, doch in Erinnerung geblieben ist mir die betörende Streitlust, mit der die beiden Hauptstadt-Journalisten sich da duellierten.

Zwei Streithähne – Eine Frage

Die Duelle der beiden gibt es aber nicht nur im Fernsehen zu beobachten, sondern jetzt auch wieder in Buchform nachzulesen: Nach ihrem erfolgreichen Autoren-Debatten-Debüt vor zweieinhalb Jahren widmen sich die beiden Streithähne nun der modernen Fassung der Sozialen Frage. Denn Augustein und Blome meinen festgestellt zu haben, dass aus „Wer hat was?“ viel eher ein „Wer gehört dazu?” geworden ist.

Verkaufsfördernder Titel

Bereits im Untertitel ihres Buches wird deutlich, dass die beiden sich weder in Watte packen noch der politischen Korrektheit zu Liebe zurückhalten wollen. „Abstieg, Armut, Ausländer, was Deutschland spaltet.“ ist dabei zwar durchaus provokant und verkaufsfördernd formuliert, macht aber auch deutlich, in welche Richtung es auf den nächsten Seiten gehen wird. Zum Glück verlassen Augstein und Blome in einigen Kapiteln auch ihren journalistischen Elfenbeinturm in Berlin-Mitte und lassen in ihrem Diskussionsbuch Menschen zu Wort kommen, die zwar nicht unbedingt die Antwort auf die soziale Frage haben, aber wichtige Perspektiven liefern.

Sei es der Gewerkschaftler, die Altenpflegerin oder der Familienunternehmer – sie alle haben auf die Fragen, die ihnen Augstein und Blome stellen ihre ganz eigene Sicht der Dinge – oft auch zur Überraschung der beiden Autoren. Diese grundsätzliche Herangehensweise an die Fragestellungen macht das Buch aus meiner Sicht besonders lesenswert: Kontroverse Diskussion oder voneinander getrennte Statements, die mit mindestens einem sachkundigen Gesprächspartner garniert werden und die Aussagen von Augstein und Blome einordnen – manches Mal sicherlich auch ungewollt.

Raum und Zeit

Doch warum sollte man Augstein und Blomes Buch lesen, wenn man sie doch allwöchentlich im Fernsehen beim Streiten beobachten kann? Weil nicht nur die beiden Autoren in diesem Buch ausreichend Raum haben, ihre Argumente mit faktenreichen Erklärungen zu untermauern, sondern auch weil man beim Lesen die Zeit findet, die eigenen Gedanken und Meinungen zu sortieren und sein eigenes Weltbild kritisch zu hinterfragen.

Es ist die wohltuende Ruhe und Gelassenheit, mit der die beiden auch in ihrem zweiten Buch den Meinungsstreit zelebrieren und sowohl provokant als auch unterhaltsam anregen, den eigenen Wertekompass auf den Prüfstand zu stellen. Und obwohl der Streit-Begriff dieser Tage eher negativ konnotiert ist, verspürt man nach der Lektüre dieses Buches den inneren Drang, sofort den nächsten Debattierclub aufzusuchen.

Für eine Gesellschaft, in der öffentliche Debatten meist trennscharf entlang bekannter Lagergrenzen verläuft, kann dieses Buch vielleicht eine Blaupause liefern, wie man losgelöst von Vorwürfen und Unterstellungen streiten kann.

Zur Leipziger Buchmesse saß ich mit Jakob Augstein und Nikolaus Blome auf dem roten Sofa von mephisto 97.6 und sprach mit ihnen über ihr neues Buch.

 

737 MAX bleiben am Boden

Nach dem Absturz der Boeing 737 in Äthiopien haben immer mehr Länder ein Startverbot für Maschinen dieses Typs verhängt. Doch nicht nur Luftfahrtbehörden sind verunsichert, sondern auch Fluggäste.

Eine vom Flugverbot betroffene Boeing 737 MAX. (Foto: Oleg V. Belyakov | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien wurde nun auch der europäische Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt. Die Ankündigung kam nur wenige Stunden, nachdem bereits Deutschland seinen Luftraum für den Flieger schloss. Das Flugverbot gelte als „Vorsichtsmaßnahme“, erklärte die EASA am Abend.

In Deutschland gilt das Verbot für drei Monate. Auf den Betrieb an den sächsischen Airports dürfte das Verbot nach Einschätzung von Uwe Schuhart, Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG, aber keinerlei Auswirkungen haben. Denn an den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden starten und landen zur Zeit keine Maschinen des vom Flugverkehr ausgeschlossenen Typen.

US-Behörden stehen hinter Boeing

Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA widersprach noch am Abend den europäischen Behörden und bescheinigte den betroffenen Boeings erneut die Flugtauglichkeit:

Es gebe derzeit weder eine Grundlage für ein vorübergehendes Flugverbot, noch lägen den Flugaufsichtsbehörden anderer Länder neue Erkenntnis zum Unfallhergang vor, die ein Flugverbot rechtfertigen würden. Allerdings forderte die FAA den Hersteller Boeing auf, notwendige Änderungen an der Steuerungs-Software des Typs zeitnah und bis spätestens Ende April vorzunehmen.

Warum der Flugzeugtyp aus dem Hause Boeing in der Kritik steht und was das für Fluggäste in Europa bedeutet, erkläre ich bei den Kollegen von mephisto 97.6:

+++UPDATE+++

Nach den EU-Staaten und zahlreichen anderen Ländern haben nun auch die USA ein Startverbot für Maschinen der Boeing 737 Max erlassen. Alle Maschinen dieses Typs müssten mit sofortiger Wirkung am Boden bleiben, erklärte die FAA:

 

Ja, wo isser denn?

André Poggenburg ist Vorsitzender der Splitterpartei „Aufbruch deutscher Patrioten“.
Foto: (Foto rufusmovie | Wikimedia Commons | CC BY 3.0 )

Wo bleibt die Alternative zur Alternative?

Der Protest gegen den Europwahl-Parteitag der AfD in Riesa offenbart die herrschende Ideenlosigkeit im Umgang mit der umstrittenen Partei.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

Es geht mal wieder ein Gespenst um in Sachsen. Nein, keine Sorge, diesmal ist es nicht der Kommunismus. Stattdessen gastiert die AfD im Freistaat. Die Alternative für Deutschland trifft sich in Riesa um sich für den anstehenden Europawahlkampf fit zu machen. Große Überraschung: Es haben sich mal wieder zahlreiche Gegenproteste angekündigt. Und was soll ich sagen, das hat ja fast schon Volksfestcharakter, was dieser Parteitag so nach sich zieht.

Einfache Erklärungsmuster

Unter dem sehr geistreichen Slogan „AfD Ade“ ruft u.a. das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ zum Protest auf. Im Demoaufruf heißt es, die AfD biete ein einfaches, rassistisches Erklärungsmuster für die sozialen Ungerechtigkeiten auf der Welt und deshalb müsse ihr Widerstand geleistet werden. Klingt gut, oder? Ist aber ehrlich gesagt auf jeder zweiten Demo gegen die AfD zu lesen und zu hören. Und genau das ist es, was mich stört.

Läuft für die AfD

Auf die Straße zu gehen und sich einer zu großen Teilen rassistischen Partei entgegenzustellen, ist an sich eine tolle Sache, keine Frage. Doch das scheint bei Weitem noch nicht zu reichen. Denn was hat der zahlreiche Protest landauf, landab denn bisher gebracht? In der letzten bundesweiten Sonntagsfrage von infratest dimap lag die AfD mit 13 Prozentpunkten nur knapp hinter den Sozialdemokraten. Und können Sie sich noch an die Bundestagswahl erinnern? Da war die Partei ganz knapp vor der CDU die stärkste Kraft in Sachsen. Läuft würde ich sagen  zumindest für die AfD.

Hochkonjunktur für Rassismus

Wie treten wir der Partei nochmal entgegen? Genau, mit einem einprägsamen Slogan, einer Kundgebung und dem ewig gleichen Blabla, das wir auch schon vor 20 Jahren auf den Demos gegen die NPD gehört haben. Die Veranstalter der AfD-Ade-Demo haben schon ganz richtig festgestellt, dass seit mehr als drei Jahren offener Rassismus und rechtes Gedankengut wieder Hochkonjunktur in Deutschland haben. Doch es reicht eben nicht, der AfD am Rande ihrer Parteitage ein bisschen auf die Füße zu treten. Von Seiten der Politik sind auch nur folgenlose Solidaritätsbekundungen mit den Demonstrierenden zu hören und sobald die Kamera läuft, wird sich medienwirksam über jeden Pups von Gauland und Co. aufgeplustert.

Klare politische Ideen

Wie wäre es denn mal damit, der AfD dort zu begegnen, wo sie bislang kaum Erfolge vorzuweisen hat – in der Sachpolitik zum Beispiel? Immer wieder wird dazu aufgerufen – doch so wirklich passieren tut da bisher noch nicht so viel. Wenn man für die Wähler der Alternative für Deutschland aber eine Wahlalternative sein will, darf man nicht ständig das Gespenst in Gestalt der AfD heraufbeschwören. Mit anderen Worten: Es braucht mehr als nur Sonntagsreden und endlich eine klare politische Idee, wie der AfD das Wasser abgegraben werden kann.

Leipzigs Oberbürgermeister im Interview

Ein Gespräch mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (60, SPD) über die Schwierigkeiten des Stadtwachstums, die aktuelle Sicherheitslage in Leipzig und was die kommenden Wahlen für Leipzig und Sachsen bringen werden.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (m.) im Studio mit Angie Fischer und Thomas Tasler. (Foto Johanna Honsberg)

Rückblickend betrachtet kann Burkhard Jung die rasche Entwicklung Leipzigs seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren selbst kaum glauben. Die damals noch hohe Arbeitslosigkeit und der große Leerstand sind längst vergessen. Stattdessen wurde Leipzig immer attraktiver – nicht nur für sich ansiedelnde Unternehmen, sondern auch für tausende neue Einwohner. Doch das Wachstum hat nicht nur den Oberbürgermeister selbst überrascht, sondern auch die Stadtplaner. Denn seit 1994 haben sich die Geburtszahlen in Leipzig fast verdreifacht. In der Folge fehlen 1.000 Kitaplätze, obwohl in den vergangenen Jahren über 100 Kitas neu gebaut wurden. Jung zufolge sei vor allem der lange Planungszeitraum für den Bau einer neuen Einrichtung ein großes Problem, das immer wieder zu langen Verzögerungen führe.

Ich hoffe, wir werden es 2019 geschafft haben, den Bedarf zu decken.

Günstiger Wohnraum auch in der Innenstadt

Nicht nur freie Betreuungsplätze, auch bezahlbarer Wohnraum ist in Leipzig zunehmend rar. Währen pro Jahr rund 1.500 neue Wohnungen entstehen, ziehen im selben Zeitraum fünfmal so viele Menschen in die Stadt. Jung sei sich der Herausforderung bewusst, vor der die Stadt stehe. Deshalb versuche er mit der Erschließung neuer Baufelder, den Baumaßnahmen der städtischen Wohnungsbaugesellschaften, und der Förderung des sozialen Wohnungsbaus dieser Entwicklung zu begegnen. Während aus der Wirtschaft zuletzt Forderungen laut wurden, dass vor allem die Verkehrsanbindungen ins Leipziger Umland verbessert werden sollen, damit sich Geringverdiener dort preisgünstig einmieten können, setzt Jung auch weiterhin darauf, den Menschen direkt in Leipzig Wohnraum zu bieten. Die Kommune habe aber kaum noch Möglichkeiten, hier die Entwicklung zu beeinflussen. Nun seien vielmehr das Land Sachsen, der Bund und vor allem private Investoren gefragt.

Ambitionierte Mobilitätsstrategie

Das Einwohnerwachstum und die wirtschaftliche Entwicklung stellen die Stadt aber auch vor eine verkehrspolitische Herausforderung. Zwar hat sich der Stadtrat nach monatelanger Diskussion auf eine Mobilitätsstrategie geeinigt, doch deren Finanzierung ist derzeit noch unklar. Immerhin sollen fast eine Milliarde Euro in Busse und Straßenbahnen und 60 Millionen Euro in ein Radwegenetz investiert werden. Ob diese Ziele bis 2030 wirklich umgesetzt werden, sei für Jung aber gar nicht ausschlaggebend. Ihm zufolge ist die ambitionierte Zielplanung aber notwendig, um sich dem selbst gesteckten Ziel zumindest zu nähern. Ohne Hilfen von Land und Bund sind diese Investitionen aber nicht zu stemmen, räumt Jung freimütig ein.

Pariser Klimaziele sind schön, aber sie müssen vor Ort gelebt werden und dafür brauchen wir die finanzielle Unterstützung des Bundes.

Hilferuf mit Polizeibehörde

Auch beim Thema Sicherheit wünscht sich Jung weiterhin mehr Unterstützung. Zwar habe man mit der Aufstellung der sogenannten Polizeibehörde versucht, auf das schwindende Sicherheitsgefühl zu reagieren. Im Grunde sei dies aber ein Hilferuf in Richtung Dresden gewesen, erklärt der Oberbürgermeister. Denn Jung findet, dass nur eine sichtbare Präsenz der Landespolizei das Sicherheitsgefühl der Leipzigerinnen und Leipziger deutlich erhöhen könne.

Waffenverbotszone im „Problem-Kiez“

Zumindest in der Eisenbahnstraße ziehen die Stadt Leipzig und der Freistaat Sachsen aber bereits seit einem Monat an einem Strang. Durch die Einrichtung einer Waffenverbotszone ist dort das Tragen von Gegenständen, die möglicherweise als Waffe verwendet werden können, verboten. Es ermöglicht der Polizei aber auch, verdachtsunabhängige Kontrollen durchzuführen. Bislang scheint das Konzept noch nicht aufzugehen. Erst vor wenigen Tagen wurde in der Eisenbahnstraße ein Mann niedergestochen und lebensbedrohlich verletzt. Für Oberbürgermeister Burkhard Jung ist es aber noch zu früh, eine erste Bilanz zu ziehen. Auch wenn Jung selbst sich über den Ausgang dieses Pilotprojekts unklar ist, verteidigt er die Einrichtung der Waffenverbotszone.

Zuschauen kann nicht die Lösung sein. Das sind wir auch den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort schuldig.

„Ein wunderbares Amt“

Neben den politischen Entscheidungen Jungs sorgte aber auch seine Kandidatur für den Vorsitz des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in den vergangenen Monaten für viel Wirbel. Nach über 20 Jahren im Rathaus wollte er die letzten Jahre seines Berufslebens gern etwas privater ausklingen lassen. Der Vorsitz des Verbandes wäre aus Jungs Sicht eine gute Möglichkeit gewesen, da er als Politiker auch voll hinter dem Sparkassenmodell als der Bank des kleinen Mannes stehe. Der Wunsch nach Privatheit ist aber dennoch geblieben, wie Jung betont. Obwohl er das Amt des Oberbürgermeisters als ein „wunderbares Amt“ bezeichnet, möchte er sich derzeit noch nicht festlegen, ob er zur Oberbürgermeisterwahl 2020 erneut kandidieren werde.

Bitte haben Sie Verständnis, ich sage heute dazu noch gar nichts.

Rechtsruck in Leipzig

Zuvor wird kommenden Mai aber auch noch der Leipziger Stadtrat neu gewählt und der wird nach der Wahl vermutlich ganz anders aussehen als bisher. Für Jung ist das Chance und Risiko zugleich. Denn auf der einen Seite können demokratische Parteien gestärkt aus der Wahl hervorgehen. Er sieht aber auch die Gefahren durch den weltweiten Rechtsruck, der nun in Leipzig angekommen sei.

Man kann eine lokale Verantwortung nur wahrnehmen, wenn man diese Wahl auch nutzt.

Auch bei der im Herbst anstehenden Landtagswahl in Sachsen drohe Burkhard Jung zufolge ein Rechtsruck an den Urnen. Hier stehe nun aber vor allem die Landesregierung von Ministerpräsident Michael Kretschmer in der Pflicht:

Es muss uns gelingen, das Miteinander von ländlicher Region und städtischer, urbaner Situation stärker zu verbinden. Wenn das der Regiering in den vor uns liegenden Monaten nicht gelingt, wird es in der Tat schwierig.

Das komplette Interview zum Nachhören:

Ist Rot-Grün ein Auslaufmodell?

Jürgen Trittin hat als Bundesumweltminister unter Rot-Grün die Energiewende maßgeblich vorangebracht. (Foto Sven Teschke | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 DE)

Geburtsstunde über dem Nordatlantik

Am 26. Oktober 1958 – also vor genau 60 Jahren – begann mit dem Start des Pan-Am-Fluges 114 vom New Yorker Idlewild Airport nach Paris Le Bourget eine neue Ära in der Zivilluftfahrt. Die erste transatlantische Linienverbindung mit einem Düsenflugzeug bewies, ohne die neue Technologie des Strahltriebwerks ist die Luftfahrt der Zukunft nicht mehr denkbar.

Start des Pan-Am-Fluges 114 in New York (Gemälde: John T. McCoy)

Warum Pan-Am-Flug 114 so bedeutend für die Luftfahrt war, habe ich bei den Kollegen von mephisto 97.6 erklärt:

Eigentlich ist die Funktionsweise des Strahltriebwerks relativ einfach. Ein Kompressor verdichtet vorn die Luft, Treibstoff wird eingespritzt und gezündet. Die Verbrennung drückte die Abgase mit hohem Tempo hinten aus einer Düse. Dabei drehen sich die Schaufeln der Turbine, die wiederum den Kompressor antreibt.

Mit diesem neuen Triebwerk war es nicht nur möglich, deutlich schneller zu fliegen als mit den bis dahin üblichen Kolbenmotoren, die einen Propeller antreiben. Die neue Technik war zudem deutlich zuverlässiger und vor allem sparsamer. Denn durch ihre hohe Leistungsfähigkeit konnten mehr Fluggäste über eine größere Entfernung transportiert werden.

Erfolgsgarant aus dem Hause Boeing 

Der von Pan American für die neue Direkt-Flugverbindung von New York nach Paris eingesetzte Maschinentyp hatte aber nicht nur neue und moderne Triebwerke. Die frisch eingeflottete Boeing 707 wies zahlreiche weitere technische Neuerungen auf. Dazu gehörte eine gepfeilte Tragfläche, die eine sehr schnelle Reisegeschwindigkeit ermöglichte. Das ausgeklügelte Landeklappensystem der Boeing 707 verlieh der Maschine zudem hervorragende Flugeigenschaften und ein gutmütiges Flugverhalten – auch in kritischen Flugphasen wie dem An- und Abflug.

Wie progressiv das Design der 707 war, zeigt die Tatsache, dass der Typ noch heute weltweit als Militärmaschine im Einsatz ist. Auch dieser Tage produziert Boeing mit ihrem Verkaufsschlager 737 ein Flugzeug, dessen Rumpf ähnlich konstruiert ist wie der Rumpf der Boeing 707 – inklusive der markanten, spitz zulaufenden Nase.

Die Boeing 707 war Pan Americans ganzer Stolz, wie dieser Werbefilm aus dem Jahr 1958 zeigt:

Doch auch die Flugverbindung selbst sorgte für ein wegweisendes Umdenken in der Luftfahrtbranche. Denn bis dahin war es auch auf langen Flugverbindungen unüblich, direkt zum Ziel zu fliegen. Das lag zum einen natürlich an den technisch bedingten eingeschränkten Möglichkeiten der damaligen Zeit. Viele Fluggesellschaften planten aber auch aus wirtschaftlichem Kalkül heraus viele Zwischenlandungen in ihre Flugverbindungen ein.

Direktflüge auch auf Langstrecken

Wenn man also von New York nach Paris flog, dann gab es meist Zwischenlandungen in Kanada, Grönland, Island, Irland und England, ehe man in Paris landete. Dadurch waren Reisende oft nicht nur etliche Stunden, sondern mitunter zwei oder drei Tage unterwegs, ehe sie ihr Ziel erreichten. Pan American traute sich also nicht nur einen neuen und unbekannten Flugzeugtypen einzusetzen, sondern auch sein Streckennetz radikal zu verändern und vermehrt auf Direktflüge zu setzen. So konnte die Flugzeit über den Nordatlantik auf etwa acht Stunden verkürzt werden.

Für Pan American sollte sich der Wagemut dieser Tage auszahlen. Über drei Jahrzehnte dominierte der legendäre Carrier aus den USA mit seinem markanten Globuslogo den Flugverkehr über dem Nordatlantik. Aber auch im Rest der Welt, war sie mit ihrem dichten Streckennetz über viele Jahre unangefochtener Marktführer.

Ende einer Legende

Heute ist die auch als „Pan Am“ bekannte Fluglinie Geschichte. Zahlreiche Managementfehler ließen schon in den 80er-Jahren den Glamour an Bord verblassen ehe Pan Am der eigene Erfolg zum Verhängnis wurde. Denn immer wieder wurden Flugzeuge der Airline, die in der Zeit des Kalten Krieges wie ein fliegende Botschafter der freien Welt wirkte, zu Zielen von Terroristen.

Der Bombenanschlag von Lockerbie, durch den am 21. Dezember 1988 in Schottland 270 Menschen starben, war der endgültige Todesstoß für Pan Am. Die Fluggäste mieden die Airline und knapp drei Jahre später stellte „America’s airline to the world“ den Flugbetrieb ein.

Schicksalstage eines Franken

Die Kolumne bei mephisto 97.6 erscheint immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Heute beschäftige ich mich mit dem Schicksal, ein Franke zu sein.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

Als Franke in der sächsischen Diaspora hat man es echt nicht leicht. Erst wird man für seine,  zugegeben, manchmal etwas rustikalen kulinarischen Vorlieben belächelt, dann verlieren unsere Nürnberger Clubberer haushoch gegen die Rasenballer und zu guter Letzt ist da ja noch dieser Kasperkopf Söder bei der bayerischen Landtagswahl. Herr im Himmel noch einmal, kein Wunder wenn uns keiner ernst nimmt.

Ich weiß ja selbst nicht, was die CSU geritten hat, diesen Möchtegern-König-Ludwig ins Rennen zu schicken. Denn außer der Tatsache, dass Söder schon früh wie ein fränkischer Terrier das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten anvisiert und er absoluten, ja fast schon ewigen Durchhaltewillen beweisen hat, qualifiziert ihn kaum was für dieses hohe Amt. Gut, als Finanzminister hat er den Laden schon ordentlich auf Vordermann gebracht. Auch die Jahre unter Seehofer ohne seelische Schäden zu überleben, da gehört fei schon was dazu.

Aber um Gottes Willen, was ist denn mit ihm passiert, seit er den Seehofer in der Staatskanzlei beerbt hat? Erst schiebt er sich die alten Möbel vom Strauß ins Büro und dann faselt er was von einem bayerischen Raumfahrtprogramm – da hat wohl einer ein bisschen zu oft an der Möbelpolitur vom alten Franz-Josef geschnüffelt.

Jetzt mal unter uns, so ein Raumfahrtprogramm ist an ja sich gar nicht mal so dumm. Langfristig gesehen sogar richtig schlau. Aber warum zur heiligen Franconia posiert er mit diesem peinlichen Bavaria One Logo und seinem Konterfei darauf vor den Kameras der Weltöffentlichkeit. Ich meine, diese leichten Anflüge von Größenwahnsinn, die haben wir Franken ja quasi in unserer DNA. Zum Glück holen mich meine Kollegen hier in der Redaktion immer mal wieder auf den Boden der Tatsache zurück. Aber hat der Markus wirklich niemanden um sich herum, der ihn vor sich selbst schützt?

Puhhh, ich sehe, auch als Franke in der bayerischen Diaspora muss das Leben fei hart sein. Also Markus, wenn du mir zuhorchst, pass auf. In ein paar Tagen hast es geschafft, da machen wir erstmal schön zünftig Frühschoppen.

Leipzigs Verkehrspolitik dreht sich im Kreis

Immer mehr Leute zieht es nach Leipzig. Die Stadt wächst und gedeiht und da muss auch die Infrastruktur hier und da erweitert werden. Im Rahmen der Mobilitätswochen hat die Leipziger SPD nun eine Ringbahn für Leipzig ins Gespräch gebracht. Sinnvoller Vorschlag oder eine blöde Idee – ein Kommentar.

Fährt Leipzigs S-Bahn bald im Kreis?“ (Foto Frank Eritt | Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0)

Direkt mit der S-Bahn an den Cospudener See. Ach, das wäre doch mal ne feine Sache. Vor allem für einen wie mich, der im Westen der Stadt wohnt, eine bequeme Alternative, um an einem so schönen Spätsommertag wie heute, schnell und einfach an den Strand zu gelangen. Denn aktuell gleicht die Fahrt dorthin noch einer halben Weltreise. Da kommt der Vorschlag der Leipziger Sozialdemokraten doch gerade richtig.

Das bestehende Bahnnetz etwas ausbauen, hier und da ein paar neue Haltestellen und schon kann der Spaß auf der Ringbahn losgehen. Ich meine, was Berlin kann, das kann Leipzig doch schon lang.  Ja ne, ganz so einfach ist das dann wohl doch nicht. Denn selbst die SPD hat eingeräumt, dass ihr Vorschlag noch ein ziemlich unausgegorener Entwurf ist. Weder für die Finanzierung noch für die von der SPD selbst als „Achillesferse“ bezeichnete fehlende Verbindung durch den Auwald haben die Lokalpolitiker einen praktikablen Lösungsvorschlag parat. Aber immerhin, für eine schöne Schlagzeile in der LVZ hat es ja doch wieder gereicht.

Sollte das wirklich alles sein, was die Stadtpolitik in punkto Verkehrsplanung auf die Schiene kriegt, na dann Halleluja.

Nur mal angenommen, der Vorschlag des S-Bahn-Rings wäre tatsächlich umsetzbar, frage ich mich, warum die Sozialdemokraten immer wieder mit großspurigen Zukunftsprojekten um die Ecke kommen, die vielleicht in einigen Jahrzehnten mal für eine Entlastung der Verkehrswege in Leipzig sorgen. Noch vor einem halben Jahr war der Ost-West-Tunnel der heiße Scheiß und jetzt soll es auf einmal rundgehen?

Warum macht ihr euch nicht endlich mal Gedanken, wie ein zukunftsfähiges Konzept für den gesamten Nahverkehr aussehen könnte. Die steigenden Bevölkerungszahlen Leipzigs werden sich nicht nur in den S-Bahnen, sondern eben vor allem in den Fahrgastzahlen bei Bussen und Straßenbahnen bemerkbar machen.

Aber auch die Entwicklung eines guten Radwegenetzes durch die Stadt ist weiter überfällig, weil es lange Zeit schlicht und ergreifend verschlafen worden ist. Auch die für März groß angekündigte Mobilititässtrategie 2030 hat den Weg aus dem Stadtrat bis heut noch nicht gefunden. So gesehen ist es nicht nur schade, sondern vor allem ärgerlich, dass die Leipziger Sozialdemokraten statt die Verkehrssituation im Kleinen zu verbessern, ständig neue prestigeträchtige Großprojekte ausbaldowern, aus denen am Ende dann doch wieder nichts wird.

Der Kommentar zum Nachhören:

Aufhören, wenn es am Schönsten ist?

In Berlin will ein komischer alter Mann seinen Stuhl nicht räumen und auch in Leipzig weiß ein in die Jahre gekommener Staatsdiener nicht, wann es an der Zeit ist, zu gehen.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:


Ich hab ja keine Ahnung wie es Ihnen geht, aber ich erinnere mich immer sehr gern an meine noch nicht ganz so lang zurückliegende Jugend. Immer wenn ich am Wochenende mit Freunden losziehen wollte, stand meine Mutter an der Wohnungstür und rief mir hnterher:

Und denk dran mein Sohn, man sollte immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

Mutter Tasler

Klar, der gutgemeinte Rat bedeutete übersetzt, trink nicht so viel. Doch Aufhören, wenn es am schönsten ist, dieser Gedanke ist bei mir jedenfalls hängen geblieben. Trotz der ein oder anderen durchzechten Nacht. Schade nur, dass so viele Menschen diesen Gedanken nicht ernst nehmen – vor allem nicht in der Politik. Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, abzutreten und seinen Nachfolgern Platz zu machen, scheint sich da überhaupt kaum jemand zu stellen.

Mangelndes Zeitgefühl

Horst Seehofer zum Beispiel, der hat den richtigen Zeitpunkt meilenweit verfehlt. Statt sich in den gemütlichen Modellbahnkeller zurückzuziehen, hat er seinen Schreibtisch in der Münchner Staatskanzlei im besten Rentenalter von 68 Jahren nur geräumt, um sich in Berlin auf die Suche nach der Mutter aller Probleme zu begeben. Diese Woche hat er auch noch angefangen zu twittern.

Weil Leipzig ja das neue Berlin ist, suchen nun auch die ausgedienten Staatsdiener in der Messestadt neue Aufgaben. Einer von ihnen ist Polizeipräsident Bernd Merbitz. Anfang kommenden Jahres wid er pensioniert und weil Golfspielen wohl nicht so sein Ding zu sein scheint, will er es nun auf CDU-Ticket im Landtag probieren.

Miese Aufklärungsquote

Warum eigentlich? Was qualifiziert diesen Mann, die sicherheitspolitische Linie der sächsichen CDU zu schärfen. Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt nämlich, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Straftaten in Leipzig auf dem zweithöchsten Stand seit 2000 lagen. Hinzu kommt eine sinkende Aufklärungsquote. Noch nicht mal jede zweite Straftat wurde von Merbitz Beamten da aufgeklärt.

Auch Oberbürgermeister Jung findet diese Zahlen, naja, nicht ganz so toll:

Natürlich haben wir ein Sicherheitsproblem und das werde ich auch nicht müde zu sagen.

Oberbürgermeister Burkhard Jung

Aber eins kann er ja, der Landtagskandidat in spe: Markige Sprüche klopfen und gute Laune verbreiten:

Das wollen wir, ich will das, wir wollen das und ich glaube, das ist ein guter Beitrag für die Sicherheit in Leipzig. Und Sie können sich darauf verlassen, das läuft.

Polizeipräsident Bernd Merbitz

Ein Versprechen, dem – wie so oft – keine Taten folgten. Glückwunsch. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit für Merbitz, einen Schlussstrich zu ziehen und sich den Rat meiner Mutter anzunehmen. Ich für meinen Teil höre heute mal auf sie und mach an der Stelle Feierabend. Tschüss und schönes Wochenende.