Habt ihr die gute Kinderstube vergessen?

In Chemnitz eskaliert der gesellschaftliche Diskurs und stellt sicher geglaubte Wertvorstellungen zur Disposition.

Die Kolumne zum Nachhören finden Sie hier:

 

Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 31.08.2015  

Das waren vielleicht noch Zeiten. Gar nicht mal so lange her. Heute vor genau drei Jahren, da hat die Kanzlerin wie Bob der Baumeister deutlich gemacht, Deutschland schafft es, die nach Europa strömenden Geflüchteten aufzunehmen. Doch der einstige Optimismus und Tatendrang aus dem Kanzleramt scheint im Land der Ernüchterung gewichen zu sein. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich anschaut, wie viele Menschen in Chemnitz oder Dresden dieser Tage ihren Protest auf die Straße tragen. Warum eigentlich?

Wut und Verärgerung

Die Zahl neu ankommender Geflüchteter ist massiv gesunken. Auch wirtschaftlich scheint es Deutschland gut zu gehen. Immerhin die erste schwarze Null im Bundeshaushalt seit Jahren. Und doch – Wut und Verärgerung in der Bevölkerung entlädt sich da mit aller Gewalt. Klar, es ist nachvollziehbar, dass es große und wichtige Probleme gibt und die Lösungsvorschläge von Seiten der Politik – nun ja – schon mal besser waren. Aber ist das ein Grund, seine gute Kinderstube zu vergessen und auf der Straße alles und jeden niederzubrüllen, der nicht in das eigene Weltbild passt oder die gleiche Meinung hat?

Umgangston wie in der Bronx

Harter Tobak, der da aktuell auf den Straßen Sachsens zu hören ist und eher an den Umgangston in den dunkelsten Ecken der Bronx erinnert. Der Ton macht bekanntlich die Musik. Und wer andere Menschen auf diese Weise anfährt, bepöbelt und auspfeift, der hat einiges nicht verstanden. Denn zur Demokratie und Meinungsfreiheit gehört nicht nur die eigene, sondern stets auch die andere Meinung. Das zu akzeptieren und auch zu respektieren, gebietet der politische Anstand – nicht nur von Mandatsträgern, sondern auch von jenen, die sie wählen.

Fehlendes Mitgefühl?

Apropos Anstand. Vor einigen Tagen wurde uns vorgeworfen, wir würden in unserer Berichterstattung über die Ausschreitungen in Chemnitz nicht genug Mitgefühl für das Opfer zeigen. Auch der Umstand, dass die beiden Tatverdächtigen keine deutschen Staatsbürger seien, würde in unserem Programm nicht ausreichend Erwähnung finden. Wir können und werden aber nicht für jedes Mordopfer eine Gedenksendung veranstalten. Denn immerhin gab es laut Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr über 400 Morde in Deutschland. Außerdem gilt: Mord bleibt Mord – egal wer oder warum er ihn begeht. Daher ist eine solche Tat völlig unabhängig vom Hintergrund des Täters oder Opfers zu verurteilen.

Journalistischer Grundsatz

In unserem Redaktionsstatut haben wir festgelegt, dass wir die Privatsphäre und Menschenwürde achten wollen. Auch hier gebietet es der Anstand, den tragischen Tod eines Menschen nicht zu sensationalisieren oder medial auszuschlachten. Ein Anstand, den ich bei den aufgebrachten Menschen in Chemnitz schmerzlich vermisse.

Billigflieger in der Krise

Flugzeuge der Ryanair (Foto Ryanair)

Warum bei Ryanair ein Umdenken einsetzen muss, habe ich bei den Kollegen von mephisto 97.6 erklärt:

Die Mitarbeiter wollen mit dem Streik für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter kämpfen. Hintergrund ist die Forderung nach einem branchenüblichen Tarifvertrag für alle Piloten. Bislang gibt es große Lohnunterschiede innerhalb des Unternehmens. Piloten, die auf den Basen in Irland oder Großbritannien stationiert sind, werden beispielsweise deutlich besser bezahlt als ihre Kollegen in Polen oder Rumänien.

Bessere Arbeitsbedingungen

Um Geld geht es den streikenden Piloten aber nur bedingt. Viel wichtiger ist ihnen, dass sich auch die Arbeitsbedingungen bei Ryanair nachhaltig verbessern. Das hat die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zuletzt immer wieder betont. Ein großes Problem beim irischen Billigflieger sei nicht zuletzt die Dienstplanung der Cockpitbesatzungen. Erst im vergangenen Winter musste die Fluggesellschaft einige tausend Flüge annullieren, weil zahlreiche Piloten ihre Maximalzahl an jährlichen Flügen bereits absolviert hatten.

Novum für Ryanair

Dass Mitarbeiter für ihre Forderungen in den Streik treten, ist für das Management der Airline eine ganz neue Erfahrung. Denn seit die Iren vor 25 Jahren auf das Billigflugkonzept umgestellt haben, konnten sie sehr erfolgreich verhindern, dass sich die Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren. Gelingen konnte das, weil ein Großteil der Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen für Ryanair arbeitet. Zudem gab es immer wieder Vorwürfe vonseiten der Mitarbeiter, dass sie von der Geschäftsführung eingeschüchtert worden seien. Wie tief der Frust bei den Mitarbeitern der Airline sitzt, lässt sich erahnen, wenn man einen Blick auf die Ergebnisse der Urabstimmung wirft. So haben sich 96 Prozent der deutschen Piloten im Juli für einen Streik ausgesprochen.

Verantwortung bei den Passagieren

Nur das Management für diesen Zustand verantwortlich zu machen, greift aber zu kurz. Natürlich hat die Ryanair-Leitung unter Führung von Michael O’Leary mit ihrem Verhalten einen solche Entwicklung geradezu heraufbeschworen. Aber es sind letztendlich die Passagiere, die sich für einen Flug mit Ryanair entschieden haben. Und wer guten Gewissens für 20 Euro in den Urlaub fliegen will, der muss vor den zahlreichen Erfahrungsberichten der Ryanair-Mitarbeiter förmlich die Augen schließen. Denn die Personalkosten sind einer der wenigen Stellschrauben, die den Billigfliegern zur Verfügung stehen. Flugzeuge, Kerosin, Landegebühren und Steuern müssen von allen Airlines bezahlt werden – von Ryanair wie auch von Lufthansa.

Weitere Streiks möglich

Die VC zeigte sich am Mittag sehr zufrieden mit dem Verlauf des Arbeitskampfes, wie ihr Sprecher Janis Schmitt mitteilte: „Wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist.“ Sollte die Airline dazu jedoch nicht bereits sein, könne sich die Gewerkschaft aber durchaus weitere Streiktage vorstellen. Die Ansage für Ryanair ist klar: Das bisherige Geschäftsmodell muss umgestellt werden. Denn die Fluggesellschaft steht mit dem Rücken zur Wand. Weitere Streiks würden das Vertrauen der Kunden nachhaltig beeinflussen und so auch den Gewinn der Iren gefährden.

Geschäftskonzept muss auf den Prüfstand

Ryanair hat sich das sogenannte Low-Cost-Konzept der Billigflieger von der amerikanischen Southwest Airlines abgeschaut und erfolgreich in Europa etabliert. Doch anders als die Iren, hat Southwest in den vergangenen Jahren sein Geschäftskonzept immer wieder auf den Prüfstand gestellt und entsprechend angepasst. Das ist einer der Gründe, dass Southwest in den USA nicht nur zu einer der größten, sondern auch zu eine der beliebtesten Airlines gewachsen ist. Auch Ryanair wird sich nun Gedanken machen müssen, wie man in Zukunft fliegen will. Andernfalls droht der Airline ein Schicksal wie anderen Branchengrößen wie der Air Berlin, die den Wandel der Zeit verschlafen haben.

Belächeltes Genre der Ehrlichkeit

Wenn in den Vereinigten Staaten am 4. Juli die Feuerwerksraketen in den Himmel steigen, dann feiern die Amerikaner nicht nur die Unabhängigkeit von der englischen Krone. Auch der National Country Music Day wird an diesem Tag zelebriert. Zwar wird dieser Musikrichtung hierzulande ein eher zweifelshafter Ruf nachgesagt, doch es kann eines der schönsten und authentischsten Genres überhaupt sein.

Country Music Hall of Fame in Nashville (Foto pxhere)

Warum die Country Musik ein unterschätztes Genre ist, habe ich bei den Kollegen von mephisto 97.6 erklärt:

 

Für die einen ist es das Sliden, für andere hingegen das Picking. Natürlich prägen beide Gitarren-Spielweisen bis heute den Klang von Country Musik. Die meisten werden sich bei den ersten Klängen aber wohl jedes Mal an einen schönen Western-Klassiker mit John Wayne Western erinnern.

Amerikas Hinterland

Die klassischen Fly-Over-States des Mittleren Westens wie z.b. Kansas, Colorada oder Montana spielten für den amerikanischen Aufstieg des letzten Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Noch heute gelten sie als Kornkammer des Landes, werden aber in der öffentlichen Wahrnehmen meist vergessen.

„Wer Amerika wirklich kennenlernen und verstehen will, der sollte nicht nur die großen Metropolen sehen, der muss auch raus aufs Land.“

Das hat bei den Menschen natürlich Spuren hinterlassen, die sich in vielen Countrysongs wiederspiegeln. Wirft man einen Blick in die Veröffentlichungen der letzten Jahre wird deutlich: fast alle großen Namen des Genres haben sich recht intensiv mit dem steten Verfall des Mittleren Westens beschäftigt. Arbeitslosigkeit, Alkohol- sowie Drogenprobleme und Perspektivlosigkeit sind regelmäßig wiederkehrende Motive in der Country Musik.

Ursprung in den Appalachen

Dabei liegt der Ursprung der Country Musik gar nicht im Mittleren Westen, sondern vielmehr in den Appalachen. Das Mittelgebirge trennt die Ostküste vom Landesinneren und war für die Einwanderer aus Europa das erste große Hindernis auf dem Weg gen Westen. Dort entstand mit dem Bluegrass eine der wichtigsten amerikanischen Volksmusikrichtungen, aus der sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die Country Musik entwickelte.

Stilistisches Zweigestirn

Es gab über die folgenden Jahre zahlreiche Entwicklungen und Stilwechsel in der Country Musik. Einige hielten sich über Jahrzehnte, andere ebbten nach nur wenigen Jahren wieder ab. Seit den 1990ern Jahren ist nun etwas Ruhe in den Country gekommen. Das Genre hat sich im Großen und Ganzen in zwei Lager aufgeteilt, die sich jeweils unbeeindruckt voneinander weiterentwickeln – den eher poppigen und massentauglichen New Country und den stilistisch eher traditionellen aber dennoch aufgeschlossenen Alternative Country.

Wo die Reise für beide Genres noch hingehen wird, scheint schon heute offensichtlich. Während sich der New Country auch in Zukunft eher an Verkaufszahlen orientieren wird, können wir aus der anderen Richtung spannende stilistische Crossovers und vor allem authentische Lyrics erwarten, die uns den amerikanischen Alltag auch künftig näher bringen als jedes andere amerikanische Genre.

Doch wie klingt Country Musik nun eigentlich? 

Das Wort zum Sonntag, ähhhhh Freitag

Vor allem christsoziale Politiker sehen sich in jüngster Zeit von Diskriminierung betroffen. Oft werden sie einfach nicht verstanden und werden von vermeintlichen Gutmenschen diffamiert. Höchste Zeit, endlich aufeinander zuzugehen, findet Pfarrer Ralf Habibi von der ökumenischen Gemeinde Schkeuditz.

Pfarrer Ralf Habibi von der ökumenischen Gemeinde Schkeuditz (Foto privat)

Der für das Satiremagazin Nachschlag produzierte Beitrag zum Nachhören:

 

31.000 Verse und über 700.000 Worte – die heilige Schrift zeigt uns in jeder Lebenslage den richtigen Weg. Schon im Markusevangelium im zweiten Buch des Neuen Testaments steht geschrieben, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Doch schon seit einigen Monaten wird dieses Gebot mit Füßen getreten. Menschen, die sich im gesellschaftlichen Abseits befinden, die unsere Sprache nur kaum beherrschen und deren Kultur uns fremd ist – statt ihnen die Hand zu reichen, verhöhnen, beschimpfen und beleidigen wir sie.

Dabei nehmen doch gerade Politiker wie Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt das Markusevangelium so wörtlich. Sie lieben jene, die ihnen am nächsten sind – die Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Im Schweiße ihres Angesichts verteidigen sie die europäische Außengrenze in den Plenarsälen unseres Landes. Mit ihrem klaren Eintreten für einen Aufnahmestopp und dem staatlich garantierten Recht auf Ertrinken im Mittelmeer sorgen sie dafür, dass wir dem Gebot der Nächstenliebe auch auf deutschem Boden weiterhin ganz bequem folgen können. Denn auch heute gilt: Was nicht wehtut, das ist gut.

Doch warum schlägt diesen wackeren Verteidigern des Abendlandes und unserer christlichen Werte nun so viel Hass entgegen? Nun, nicht jeder von uns wandert auf dem Pfad der Tugend. Unseren Glaubensbrüdern- und Glaubensschwestern in München, Berlin und Brüssel bleibt daher nur, sich an der Bergpredigt zu orientieren. Jesus forderte da seine Jünger auf, wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.

Genau das tun unsere Minister nun auch. Denn mit ihrem auf dem EU-Gipfel beschlossenen Plan, Aufnahmezentren für Flüchtlinge auf europäischem Boden zulassen zu wollen, gehen sie einen großen Schritt auf ihre ärgsten Kritiker zu. Und vielleicht sollten die Frauen, die diese ministerialen Mannesbilder so hart kritisieren, sich die Aufforderung des „Alten Testament“ zu Herzen nehmen, die besagt: Dein Born sei gesegnet, und freue dich des Weibes deiner Jugend. Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Laß dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende.

Ihr Pfarrer Ralf Habibi

Ohne Strom kein Flugverkehr

Wegen eines defektes Kupferkabel gab es Hamburger Flughafen stundenlang keinen Strom.Die Folge waren Flugausfälle und lange Verspätungen. Kann so ein Ausfall auch den Flughafen Leipzig/Halle treffen?

Der am Schkeuditzer Kreuz gelegene Flughafen Leipzig/Halle. (Foto Flughafen Leipzig/Halle GmbH)

Am Hamburger Flughafen standen die Flieger stundenlang still: Wegen eines Stromausfalls musste der Betrieb am fünftgrößten Airport Deutschlands eingestellt werden. Eigentlich hätten rund 200 An- und Abflüge an diesem Tag abfertigt werden sollen.

Ist ein Stromausfall auch in Leipzig möglich?

Theoretisch kann solch ein Stromausfall auch den Leipziger Airport treffen. Aus Sicht von Uwe Schuhart, Pressesprecher des Flughafens, ist das aber eher unwahrscheinlich. Denn in der Regel sind alle Systeme eines Flughafens – also auch das Stromnetz – redundant aufgebaut. Das heißt, dass alle wichtigen Systeme mehrfach und unabhängig voneinander vorhanden sind. Wenn also ein Stromnetz ausfällt, ist in der Regel ein zweites Stromnetz verfügbar.

Wer ist mein Ansprechpartner?

Bleiben die Flieger aber wegen eines Stromausfalls trotzdem mal am Boden, sollten sich Fluggäste zunächst an die Fluggesellschaft wenden. Auch wenn der Flughafen für den Flugausfall verantwortlich ist, bleibt die Airline Ansprechpartner. Denn Fluggäste haben einen Beförderungsvertrag mit der Airline, nicht jedoch mit dem Flughafen abgeschlossen. Betroffene Passagiere können dann auf Grundlage der Fluggastrechteverordnung der EU  von der Airline eine Entschädigung verlangen. Hier gilt der Grundsatz, je größer die Entfernung zum Flugziel, desto größer auch die Entschädigung.

Mehr Informationen zum Thema im Kollegengespräch von mephisto 97.6 zum Nachhören:

Wird er es bereuen?

Ui, Ui, Ui, wenn er diese Entscheidung mal nicht bereuen wird. Da kommt der Schreck des Wiener Opernballs einmal nach Leipzig und Burkhard Jung ist nicht dabei. Während Richard „Mörtel“ Lugner gestern Nachmittag die Rennsaison im Scheibenholz eröffnete, hat sich Leipzigs Stadtoberhaupt ins Private zurückgezogen. Eigenen Angaben zufolge, um sich mit seiner Frau und engen Freunden zu beraten, ob er für das Amt des Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes kandidieren soll.

Luft ist raus

Die über eine Woche lang unbeantwortete Frage, ob Jung sich bewerben wird, ist nun also beantwortet. Doch so wirklich glücklich ist mit seiner Entscheidung offensichtlich niemand. Die einen trauern, die anderen kritisieren, nur der AfD scheint es egal, wo es Jung einmal hin verschlägt. Dabei sollten die Leipziger eigentlich froh sein, dass Jung sich nun FÜR eine Kandidatur entschieden hat. Denn seien wir mal ehrlich, er hat zwar viel für die Stadt getan, doch zuletzt war bei ihm die Luft schon raus.

Leipzig wächst mit Jung

Mal abgesehen von großspurigen Ankündigungen wie einem zweiten Citytunnel, hängt der Oberbürgermeister mit der Lösung drängender Probleme hinterher. Sei es das neue Nahverkehrskonzept, dass seit geraumer Zeit im Stadtrat vor sich hin dümpelt oder die Umsetzung wirksamer Instrumente, dem starken Anstieg der Mietpreise entgegenzuwirken. Keine Frage, der Oberbürgermeister hat viel für das Wachstum der Stadt getan. Doch es ist offensichtlicher denn je, dass er den Folgen dieses Wachstums nicht mehr Herr wird. Und das ist für die Stadt ein – wachsendes Problem.

Seitensprünge unerwünscht

Jung hat zwar angekündigt, im Falle einer Niederlage um den Poker des Sparkassen-Chefposten weiterhin als Oberbürgermeister in Leipzig bleiben zu wollen. Doch die Reaktionen der Stadtratsfraktionen haben gezeigt, auf ihn wartet in Leipzig niemand. Noch Anfang März zu seinem 60. Geburtstag konnte er sich eine erneute Kandidatur zur Leipziger OBM-Wahl vorstellen. Nun plötzlich liebäugelt er mit dem um einiges besser bezahlten Sparkassenjob. Wer seine Meinung so schnell ändert, der ist als Stadtoberhaupt vielleicht die falsche Personalie. Völlig egal, wie sich der Ostdeutsche Sparkassenverband im Oktober entscheiden wird – für oder gegen Burkhard Jung – Leipzig sollte den Amtsinhaber möglichst schnell abschreiben und sich auf die Suche nach einem neuen Oberbürgermeister machen.

Der Kommentar zum Nachhören:

Welttag für Amerikas „Klassische Musik“

Seit 2012 erinnert der von der UNESCO ausgerufene Internationale Tag des Jazz jedes Jahr am 30. April an die Bedeutung des Jazz. Aber was zeichnet den Jazz eigentlich aus? Der Versuch einer Erklärung.

„Roy Eldridge got his finest chord“ (Gemälde Lola Lonli | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)

Seine Geburtsstunde feierte der Jazz um 1900 in den Südstaaten der USA. Vor allem in New Orleans entwickelte sich das neue Genre schnell. In der Hafenstadt am Mündungsdelta des Mississippi River trafen Blues, Gospel und karibische Klänge auf die Musik der europäischen und zumeist französischen Einwanderer. Aufgrund des damals noch neuen Mediums Radio verbreitete sich der Jazz in Windeseile in der ganzen Welt. Dabei hatte das neue Genre großen Einfluss auf viele andere Musikstile.

Jazz ist überall

Heute ist der Jazz aus sämtlichen modernen Musikrichtungen nicht mehr wegzudenken – angefangen bei Pop- über Rockmusik bis hin zum Hip-Hop.

„Der Jazz ist die Musik auf dieser Welt, die eigentlich alles zulässt. Du kannst die unterschiedlichsten Einflüsse unter seinem Dach immer wieder neue Verbindungen eingehen lassen.“
Jürgen Spiegel

Der Jazz entwickelte sich zu einer Musik, die verschiedene Kulturen verbindet und Grenzen scheinbar mühelos überwindet. Aufgrund dieser andauernden kulturellen Bedeutung wird der Jazz häufig auch als amerikanisches Pendant zur klassischen Musik Europas betrachtet.

„Ich bin überzeugt, dass die Menschen in 100 Jahren ‚Bird‘, ‚Miles‘ und ‚Dizzy‘ als die Musikgrößen wahrnehmen wie wir heute Mozart, Bach, Chopin und Tschaikowski.“
Quincy Jones

Suche nach Freiheit

Die Entwicklung des Jazz hatte aber auch außerhalb der Musik große Auswirkungen. Wie kaum eine Musikrichtung steht der Jazz für ein Lebensgefühl, das die Maxime der Freiheit für sich beansprucht. In den USA war und ist der Jazz eine treibende Kraft zur Überwindung der Rassendiskriminierung. Darüber hinaus spielte der Jazz auch für die amerikanische Frauenrechtsbewegung in den frühen 1920er-Jahren eine große Rolle. Denn die Bühnen in den Jazzclubs waren nicht nur die erste, sondern viele Jahre lang auch die einzige Möglichkeit für Frauen, ihren musikalischen Ambitionen nachzugehen. Noch heute gilt: Dort wo Jazz gespielt wird, da wird die Bühne zum politischen Forum, in welchem Meinungsfreiheit, Toleranz und Dialog aktiv gelebt werden.

„Jazz ist, warum dieses Jahrhundert anders klingt als andere.“
Dizzy Gillespie

Was ist Jazz?

Die Frage, was den Jazz aber letztendlich zum Jazz macht, die lässt sich nicht abschließend beantworten. Es gibt aber einige zentrale Merkmale, die ihn von anderen Stilrichtungen unterscheiden. Dazu gehören zum einen die Improvisation und Spontanität, die sich beide stark gegenseitig beeinflussen. Aber auch die Individualität, die letztendlich für die zahlreichen Strömungen im Jazz sorgt, wird großgeschrieben.

„Jazz ist mehr als nur Musik. Jazz ist eine Lebenseinstellung.“
Charlie Parker

Der Versuch, eine klare und allgemeingültige Definition des Jazz zu verfassen, bleibt aber dank der fortwährenden Entwicklung und Neuerfindung dieses Genre letztendlich aussichtslos.

Mehr Informationen zum Thema im Kollegengespräch von mephisto 97.6 zum Nachhören:

Volga-Dnepr zieht sich aus Leipzig-Halle zurück

Die Stimmung ist schlecht zwischen Russland und dem Westen. Auf Sanktionen wird mit Sanktionen geantwortet. Nun hat die russische Frachtlinie Volga-Dnepr angekündigt, keine Flüge mehr für das Verteidigungsbündnis NATO durchführen zu wollen. Betroffen ist auch der Flughafen Leipzig/Halle. Von hier wurde in den vergangenen Jahren neben humanitären Hilfsgütern vor allem Kriegsgerät in Krisengebiete geflogen.

Die Antonov AN-124 der Volga-Dnepr Airlines wird in Leipzig wohl bald ein seltener Gast sein. (Foto Antti Havukainen | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)

Bislang haben sich die beteiligten Parteien nicht zur Frage äußern, warum sich die russische Airline aus der Kooperation zurückziehen will. Dem Fachblatt Cargo Forwarder Global zufolge gibt es aber eine Reihe von Gründen. So habe das Unternehmen beschlossen, keine Rüstungsgüter mehr für westliche Staaten zu befördern und sich auf den Transport ziviler Güter konzentrieren zu wollen.

Das Fachblatt interpretiert diese Entscheidung als eine Reaktion auf die Veränderung des politischen Klimas zwischen Russland und dem Westen. So haben die Sanktionen aufgrund des Syrien-Konflikts und der Ukraine-Krise der russischen Luftfahrtindustrie zuletzt stark zugesetzt.

Mehr Informationen zum Thema im Kollegengespräch von mephisto 97.6 zum Nachhören:

„If it’s not a Boeing, I’m not going.“

Es gibt wohl keinen Flughafen, den er nicht gesehen und keine Wetterlage, die er nicht durchflogen hat. Zum 65. Geburtstag Anfang Februar war dann Schluss – Joe Moser verabschiedete sich in die Pilotenrente. Zeit für einen kleinen Rückblick.

Der langjährige Flugkapitän Joe Moser im Gespräch mit mephisto 97.6 Moderator Yannick Jürgens.

Wäre es nach den gängigen Klischees gegangen, die Tirolern auch heute noch nachhängen, dann hätte aus Joe Moser eigentlich ein Bergsteiger oder Skifahrer werden müssen – er hingegen wählte einen anderen Weg. 1953 geboren, wuchs er in direkter Nähe zum Innsbrucker Flughafen auf. Die zahlreichen Sport-, Privat und Segelflieger am heute drittgrößten Airport der Alpenrepublik ließen da einen anderen Berufswunsch aufkommen: Pilot.

Langer Weg ins Cockpit

Joe Moser verfolgte dieses Ziel mit viel Ehrgeiz. Bereits mit 14 Jahren saß er im Cockpit von Segelflugzeugen, später folgten Lizenzen für Motorflugzeuge und das Fallschirmspringen. Nach dem Abitur zog es ihn dann nach Deutschland, genauer gesagt nach Mühlheim an der Ruhr, wo auch heute noch die Fachschule für Luftfahrzeugführer ihren Sitz hat. Es ist die älteste private Flugschule für Berufspiloten in Deutschland. Sie zählt zu den anerkanntesten Schulen in Deutschland. Nach seinem Abschluss führte es ihn direkt ins Cockpit.

Pilotenkarriere als Option

Der lange Weg von ersten Fluglizenzen bis hin zum ausgebildeten Piloten bezeichnet Moser zwar als klassisch, allerdings sei dieser Werdegang immer seltener. Stattdessen würden junge Menschen die Karriere als Pilot eher als Option betrachten, die sie erst nach dem Schulabschluss ergreifen. Das führe letztendlich dazu, dass viele junge Piloten das Fliegen nicht mehr von der Pieke auf erlernen. Daher fehle es modernen Piloten an grundlegenden fliegerischen Fähigkeiten – der Pilot hat infolgedessen eher eine systemüberwachende als eine systemsteuernde Rolle.

Flache Hierachien

Zu Beginn seiner Karriere beim Ferienflieger LTU wären sich die Piloten ihrer Rolle noch voll und ganz bewusst gewesen, so Moser. Das führe aber auch dazu, dass der Kapitän nicht nur das letzte Wort, sondern auch die absolute Entscheidungsgewalt hatte. Der Co-Pilot hingegen wurde – trotz seiner gleichwertigen Pilotenausbildung – vom Kapitän auch gern ignoriert. Dieses Verhalten hat vor allem in den 1970er Jahren zu zahlreichen schweren Flugzeugunglücken beigetragen. Daraufhin wurde das Crew-Ressource-Management eingeführt. Dadurch soll die Zusammenarbeit im Cockpit durch eine flachere Hierarchie und abgestimmte Kommunikation verbessert werden. So können zum Beispiel in Notsituation die Aufgaben besser verteilt werden.

Kameras im Flugzeug

Doch trotz des übergesteigerten Egos einiger LTU-Kollegen fühlte sich Moser beim Ferienflieger wohl und blieb dort für viele Jahre. Er wurde Kapitän und später Chefpilot. In all den Jahren gab es kaum Orte, an die er nicht flog. Mögen es Destinationen in Fernost oder das von Moser immer gern angeflogene Havanna sein, so sind es aber vor allem die Flüge zum Nordpol und auf die Malediven, die ihn auch außerhalb des Cockpits bekannt gemacht haben. Denn die von Thomas Aigner produzierten Dokumentationen von PilotsEYE.tv haben Moser auf dem Weg zu diesen besonderen Zielen begleitet. Die Filme bieten einen detaillierten Einblick in die Arbeit im Cockpit. Dabei werden alle Flugphasen vom Beobachterplatz aus mit mehreren Kameras aufgenommen und auf Spielfilmlänge zusammengefasst. Was für den Zuschauer ein spannendes Filmerlebnis ist, kann für die Cockpitbesatzungen als Protagonisten aber auch unangenehme Momente bereithalten, weiß Moser im Interview zu berichten.

Was Joe Moser im Interview mit Moderator Yannick Jürgens über seine Pilotenkarriere zu erzählen weiß, können Sie hier nachhören:

Redaktion: Annika Sparenborg, Thomas Tasler und Moritz Fehrle

Die besten Nazi-Prozesse Deutschlands

Ein Ruck muss durch Deutschland gehen. Das hat schon Roman Herzog vor einigen Jahren befunden. Blöd nur, dass so ein Ruck auch in die falsche Richtung gehen und dann vor dem Kadi landen kann.

Obwohl der deutschen Justiz schon seit einer gefühlten Ewigkeit der Ruf vorauseilt, auf dem rechten Auge nicht ganz so gut zu sehen, schlagen die Damen und Herren auf den Richterbänken doch immer mal wieder eine kleine Kurskorrektur ein. Vor einigen Jahren noch unvorstellbar, erleben wir nun überall in Deutschland ein Revival der Prozesse gegen Neonazis. Als Social-Media-Influencer Master Justice haben ich mir die wichtigsten Verfahren genauer angesehen und ein Ranking erstellt.

Den für das Satiremagazinvon mephisto 97.6 produzierten Beitrag zum Nachhören: