Im Tower durch die Nacht

Wer auch in den  Wintermonaten etwas Sonne tanken will, der kann mit dem nächsten Flieger gen Süden abheben. Dass wir sicher und schnell unser Urlaubsziel erreichen, dafür sorgen vor allem die Besatzungen in den Cockpits – aber auch die Fluglotsen am Boden spielen eine wichtige Rolle. Um zu erfahren, wie ihre Arbeit aussieht und warum niemand auf sie verzichten kann, hab ich ihnen im Tower am Flughafen Leipzig/Halle im Sommer 2018 einen Abend lang über die Schulter geschaut.

Vom Kontrollturm aus haben die Lotsen den ganzen Flughafen im Blick. (Foto DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Die Reportage zum Nachhören:

In eine Höhe von 80 Metern bin ich im Kontrollturm mit Falk Stieber verabredet. Er ist Fluglotse bei der Deutschen Flugsicherung und zeigt mir zunächst einmal, wie der Wetterbericht für Piloten klingt:

„Also da wird jetzt alles abgesprochen, was hier so drauf ist, das ist der Luftdruck der hier am Platz vorherrscht. Der ist wichtig auch bei Sportfliegern, dass sie einstellen, wie hoch sind sie jetzt tatsächlich. Dann haben wir hier noch ein allgemeines Wetterfeld. CAVOK bedeutet zum Beispiel Clouds and Visibility Okay, also es gibt keine Wolken, die irgendwie stören könnten. Dann haben wir hier Temperatur und Taupunkt.“

Gutes Flugwetter also an diesem Abend, der bislang noch recht ruhig ist.

„Jetzt haben wir lokal noch so kurz vor 23 Uhr. Das geht meisten los mit dem Inbound-Rush, also dass die meisten Flieger reinkommen, so ab 23 Uhr bis ungefähr 1 Uhr und da kann man schon sagen, dass es ziemlich eng getaktet ist. Also noch sind hier relativ große Lücken. Irgendwann wird es dann so aussehen, dass hier auf dem Final wie wir es nennen, gern mal drei bis vier Flieger drauf sind und die nächsten dann auch schon in der Luft Schlange stehen. Da ist dann auch der Punkt, wo wir die Flieger von München bekommen zu uns auf die Frequenz und wir begleiten sie dann im letzten Teil bis zur Landung. Das kann sehr eng werden, also das alle zwei Minuten einer landet – mal mehr mal weniger – und wir haben so regelmäßig 65 – heute ungefähr 71 Flieger die hier ankommen. Die kommen natürlich von überall her aus Europa. Für uns beim Anflug und beim Abflug ist München Center zuständig. Das heißt die Lotsen, die jetzt die Flieger zu uns schicken, die sind halt bei meinem Kollegen in München an der Frequenz.“

Die Lotsen im München Center regeln die An-und Abflüge am Flughafen Leipzig/Halle. (Foto DFS Deutsche Flugsicherung GmbH)

Mittlerweile ist auch das letzte Tageslicht der Dunkelhit gewichen. Aus dem spärlich beleuchteten Kontrollturm heraus sehen wir über Leipzig einen leuchtenden Punkt, der sich von rechts nach links bewegt. Falk Stieber zeigt auf seinen Radarschirm und erklärt, dass es dieses Flugzeug sei, dass noch den Anweisungen der Münchner Fluglotsen folgen muss.

„Der wird jetzt hier an der Stadt vorbei gelotst, weil er nicht direkt über die Stadt fliegen darf in tiefer Höhe aus Lärmschutzgründen. Sobald er jetzt hier die Stadt passiert hat, wird er mit Steuerkursen auf den Endanflug gelotst.“

Aber nicht nur große Passagier- und Frachtmaschinen müssen den Anweisungen der Lotsen folgen.

„Das können auch Sportflieger sein, die wir hier betreuen. Das können Ballons sein, das können auch Drohnen sein, die wir hier genehmigen, die in Flughafennähe sind. Das ist also sehr in Platznähe und nicht sehr weit gestreut. Das ist quasi ein Schuhkarton, den der Flughafen umgibt. Der geht bis zu einer gewissen Höhe und ist bei uns so in etwa 20 Meilen lang und sieben Meilen breit. Das ist der Sektor, für den wir zuständig sind.“

In diesem, auf den ersten Blick eher klein wirkenden Bereich, kann es auch schon mal etwas enger werden.

Die meisten Maschinen am Flughafen Leipzig/Halle starten und landen in der Nacht. (Foto Josue Isai Ramos Figueroa)

„Da ging es jetzt um die beiden nächsten Flieger, die hier gleich reinrufen. Es gibt Staffelungsvorschriften, die wir einhalten müssen, die können aber auch unterschritten werden, wenn die Piloten sagen, das ist in Ordnung, wir sehen uns gegenseitig und wir achten selber darauf, dass wir uns nicht zu nahe kommen. Das hat mir jetzt der Flieger mitgeteilt und damit entfällt unsere Verpflichtung, die Staffelung dort einzuhalten.

Jetzt muss ich schauen, der nächste Flieger ist hier kurz vorm Aufsetzen und davor hatten wir noch einen Start der bereit war, da muss ich halt genau gucken, dass der Flieger, der starten möchte, zügig rollt und rauskommt, bevor der nächste dann landet aber das ist jetzt ganz normal ausgegangen.“

Auch die folgenden Flugzeuge können in dieser Nacht planmäßig starten und landen. Dass das so reibungslos funktioniert, dafür sorgt auch Falk Stieber am Funkgerät im Kontrollturm.